Von
Shkoder nach Bulqize 09.
- 13.01.2009
Albanien
ist ein besonderes europäisches Land. Als wir in Shkoder
einfahren, sehen wir Frauen, die Wäsche im Fluss waschen,
barackenartige Unterkünfte und überall am Straßenrand
Müll. Gleichzeitig hat unser Hotel W-Lan und das Land unter
seinen PKW einen Mercedes-Anteil von 39% (nach einer statistischen
Erhebung von Dipl,-Geograph Tobias Klein unter Mitarbeit von
Dipl.-Päd. Daniela Schmidt zwischen Shkoder und Lezhe) –
verrückte Welt.
Albanien wurde nach dem zweiten Weltkrieg
stramm stalinistisch regiert und hatte seit den 60er Jahren keinerlei
Verbindungen mehr ins Ausland, auch nicht in den sogenannten
Ostblock. Seine Bürger durften weder reisen noch Kontakte zu
Familienmitgliedern in anderen Ländern aufrecht erhalten.
Religionsausübung war komplett verboten.
Seit 1991 ist
Albanien nun demokratisch, und nach teilweise heftigen
wirtschaftlichen Krisen scheint sich das Land zu konsolidieren. Es
gibt wieder Moscheen, katholische und orthodoxe Kirchen und so
langsam entwickelt sich auch der Tourismus.
Albanien ist
italienisch geprägt, von seiner Küste zum Stiefelabsatz
sind es nur 70 Kilometer und überall gibt es guten Kaffee, Pizza
und ich kann überraschenderweise meine Italienischkenntnisse
wieder einsetzen. Albanisch verstehen wir dafür zu 0%. Später
lese ich, dass es zur indogermanischen Sprachfamilie gehört,
aber von Deutsch ist es definitiv sehr weit entfernt.
Wir
bewegen uns in Richtung Berge, da wir von Albanien über
Mazedonien nach Griechenland fahren wollen. Durch
die wunderschöne Schlucht des Flusses Mat arbeiten wir uns
langsam nach oben und erreichen mit dem Ruf des Iman die Stadt
Burrel. Weil unser Fahrradreiseführer
davon abrät, in Albanien zu zelten, halten wir uns daran und
übernachten in Hotels. Je weiter wir in die Berge kommen, desto
kälter wird es draußen wie drinnen. In Burrel wird unser
Zimmer wie das ca. 100 m² große, zum Hotel gehörige
Lokal nur von einem kleinen Heizstrahler „erwärmt“. Unsere
Schlafsäcke, wegen ihrer Form liebevoll „Maden“ genannt,
werden zu unserem liebsten Aufenthaltsort neben dem
Fahrradsattel
Die Menschen sind extrem freundlich, viele
winken und hupen uns zu. Als wir nach einem Hotel fragen, stehen in
Burrel plötzlich 10 Männer um uns herum, die diskutieren,
was wir wohl möchten,
schließlich führt uns ein älterer Herr zum einzigen
Hotel der Stadt..
Unser letzter
Standort in Albanien ist Bulqize. Am Abend zuvor hat uns der
Hotelierssohn gesagt, dass dort, hinter einem 800 Meter hohen Pass,
extrem viel Schnee liegt und eisige Temperaturen herrschen. Wir
entscheiden uns, es einfach mal zu versuchen. Schnee an sich ist ja
kein Problem, so lange er nicht auf Straßen herumliegt. Auf den
Pass kommen wir noch ohne Probleme, doch dort und auf der kurzen
Abfahrt herrscht ein so eisiger Wind und die Straßen auf der
anderen Seite sind so verschneit und vereist, dass meine Finger fast
abfrieren und wir nur in Zeitlupentempo vorankommen. So kann ich mir
nicht mehr vorstellen weiterzufahren.
Wir machen in der
trostlos wirkenden Bergarbeiterstadt Bulqize Halt in einem einfachen
Café, auch hier ist es kalt. Wir überlegen, wie wir
weitermachen – sollen wir mit den Bus an die albanische Küste
fahren und von dort aus nach Griechenland, um dem Winter zu
entkommen? Dann müssten wir allerdings Tausende Kilometer durch
Griechenland fahren. Während unserer Diskussion greift Tobi in
seine Lenkertasche, um den Kuli zu suchen. Er merkt, dass seine
Kamera fehlt – auf dem Pass im eisigen Wind, als er mit dem
Fernglas Ausschau nach der Stadt gehalten hat,
hat er sie wohl abgelegt und vergessen.
Voll Panik macht er sich auf zum Pass, während ich im Café
bleibe und bei dem überaus freundlichen Wirt versuche, Busse an
die Küste ausfindig zu machen. Gar nicht so einfach, wenn man
keine gemeinsame Sprache hat, ich behelfe mir mit Zeichnungen.
Schließlich kommt
Tobi zurück, tatsächlich war
seine Kamera noch dort, wo er sie abgelegt hat.
Ich mache
mich auf den Weg, Infos zu Bussen herauszufinden, und, ob es hier ein
Hotel gibt. Leichter gesagt als getan: niemand spricht irgendeine
Fremdsprache, erst im x-ten Laden kann mir eine junge Frau auf
italienisch sagen, dass es gleich in der Nähe ein Hotel gibt, wo
wir uns ein Zimmer nehmen. Natürlich ist es auch hier nicht
warm, nur in den „Maden“. Der Hotelier und Wirt schließlich
tut uns einen großen Gefallen: er organisiert, dass ein
Minibusfahrer uns und unsere Räder zur mazedonischen Grenze
mitnimmt. In Mazedonien soll angeblich weniger Schnee liegen und die
Straßen außerdem besser sein. Wir sind uns nicht sicher,
ob das alles klappt, aber wollen es versuchen – und am nächsten
Tag um sechs Uhr mit einem anderen Verkehrsmittel weiterreisen.
Detailkarten und -statistik zu unserer Zeit in Albanien findet Ihr hier .