Von
Bulqize nach Bitola 13
.- 15.01.2009
Müde
und nervös quälen wir uns aus dem Bett. Um fünf Uhr
sind wir bisher nicht aufgestanden. Wir schalten das Morgenmagazin
an, denn wir empfangen die ARD, packen unsere Sachen und machen uns
fertig. Im Hotel-Café warten wir unter dem Heizpilz auf
unseren Bus. In Deutschland beheizt man Bürgersteige mit den
Dingern (oder war das inzwischen verboten?) und hier versucht man,
den Innenraum damit zu erwärmen. Schließlich taucht er
auf, schnell sind Räder und Gepäck verstaut. Auch andere
Fahrgäste sind dabei, drei Herren im besten Alter teilen sich
die vordere Sitzbank, einer davon Polizist.
Langsam setzt sich
der Mercedes-Kleinbus auf der verschneiten Straße in Bewegung.
Immer wieder vereist die Frontscheibe, der Fahrer steigt aus (wenn
das Blickfeld auf Postkartengröße geschrumpft ist) und
kratzt sie frei, manchmal übernimmt dies auch der Polizist. Neue
Fahrgäste werden am Straßenrand eingesammelt, wir werden
unsicher, ob der Fahrer uns tatsächlich zur Grenze bringt, die
zwei Kilometer entfernt von der Hauptroute liegt. 30 Kilometer sind
es bis dorthin, und wir brauchen zwei Stunden. Mazedonien begrüßt
uns mit von Schnee weitgehend befreiten Straßen. Zunächst
müssen wir uns noch durch jede Menge Schneematsch kämpfen,
der sich zwischen Schutzblechen und Reifen festsetzt. Zur
Mittagspause kehren wir in einen kleinen Laden mit Sitzgelegenheit
ein und begegnen dem Postboten Bardhul. Dessen Vater hatte in
Deutschland gearbeitet, weshalb er recht gut deutsch
spricht.
Bardhul lädt uns zu sich nach Struga ein und
will uns am liebsten samt Fahrrädern in sein Postauto einpacken.
Wir können ihn überzeugen, dass wir uns, wenn wir im Ort
sind, telefonisch bei ihm melden und fahren gut gelaunt weiter. Bevor
wir mit Bardhul Kontakt aufnehmen, treffen wir Bardhi und seine
Verlobte Melissa, die uns zum Kaffee einladen und viel über
Mazedonien erzählen. Bisher wussten wir nicht, dass in
Mazedonien viele Albaner leben und albanisch hier ein viel
gesprochene Sprache ist. Bardhi ist in der Schweiz aufgewachsen und
pendelt nun zwischen beiden Ländern.
Abends sind wir bei
Bardhul und seiner Familie in einer großen, warmen
Sofalandschaft. Auf dem albanischen Sender läuft dieselbe
Glücksspielsendung wie im itlalienischen TV – mit dem
Unterschied, dass der Höchstgewinn zwischen 1000 und 500 000
Euro differiert. Kein Wunder, dass die hier alle denken, wir hätten
so fulminant viel Geld. Auf die Frage, was die schönste Stadt
Mazedoniens sei, antwortet Bardhul mit tiefster Überzeugung:
„Na, Struga. Dann Ohrid, Wir haben ja den See. Bitola ist eine
normale Stadt, hat ja keinen See.“ Auch die wirklich wichtigen
Fragen zu unseren Familien werden geklärt: „Warum eine Bruder
Haare, andere Bruder keine Haare?“ fragt Bardhul beim Anschauen
unseres Kartenspiels.
Um einige Informationen zu unserem
Reiseland reicher fahren wir am nächsten Tag nur bis Ohrid, um
hier einen Tag Pause einzulegen. Erholt nehmen wir anschließend
erfolgreich zwei Pässe in Angriff und werden auf dem ersten von
Straßenarbeitern zum Tee eingeladen. Irgendwie sehr nett, die
Mazedonier.
In Bitola freuen wir uns auf Griechenland –
plötzlich wieder EU. Ob wir jetzt vielleicht für einige
Zeit keinen Schnee mehr sehen?
Detailkarten und -statistiken zu Mazedonien findet Ihr hier.