Von
Bitola nach Thessaloniki 16.
- 19.01.2009
Zunächst
einmal liegt es mir am Herzen, zwei wichtige Fragen zu
klären:
„Habt Ihr die Flasche Sekt noch?“
fragt Thomas Schneider im Gästebuch. Ihr erinnert euch
vielleicht an diesen Artikel. Antwort: Nein. Die haben wir
am 2. Januar abends im Zelt aus unseren Plastikklappbechern zusammen
mit O-Saft ganz stilvoll geleert.
„Was macht Tobi
eigentlich, während du die ganzen Berichte schreibst?“ fragt
Frau Lpunkt Rpunkt aus Hpunkt in einer persönlichen E-Mail.
Antwort: Er sagt: „Hol mir mal meine Pantoffeln, mach mir mal'n
Tee, kümmere dich um den Haushalt!“ Ok, das war ein Spaß.
Tobi stellt ja alle Detailkarten ein, von denen wir täglich
eine produzieren, und hat damit eigentlich noch viel mehr auf der
Website zu tun als ich. Es war ihm ein Anliegen, dass ich das
klarstelle.
Weiter im Text: Wir sind also in Griechenland
angekommen. Viel sehen wir allerdings an den ersten beiden Tagen
nicht: eine dicke Suppe nimmt uns in Empfang, Sicht maximal 100
Meter. Dies trübt unsere Laune ein bisschen, hinzu kommt unsere
für das Radfahren recht ungeeignete Landkarte: Wenn eine
Höhenlinie auf 500 und die nächste erst wieder auf 1000
Meter ist, wir in Richtung Meer fahren und keine Höhenlinie
überqueren: Richtig, dann geht es von 550 Metern erst mal auf
950 hoch. Ächz!
Umso mehr freuen wir uns, als es
tatsächlich bergab geht und das Wetter sich bessert, tagsüber
sind die Temperaturen frühlingshaft, während es nachts kalt
wird. Unter erfolgreicher Umgehung der Autobahn (war gar nicht mal so
einfach) kommen wir in Thessaloniki an und finden schnell unseren
Gastgeber Artur, den wir über ein Übernachtungsnetzwerk
kontaktiert haben.
Übernachtungsnetzwerke sind eine gute
Sache, nicht nur weil man Geld sparen kann, sondern auch, weil man
interessante und ungewöhnliche Leute kennen lernt. Artur lebt
mit Freunden in einem besetzten Haus, was wir natürlich erst
erfahren, als wir dort sind. Christian stammt aus Kanada und ist auf
Fahrrad-Europa-Tour mit jeweils längeren Aufenthalten in
Städten, Peter, Julia und Igor sind aus dem Baltikum nach
Thessaloniki getrampt, Artur ist mit dem Fahrrad aus dem Baltikum
angereist und möchte auf Dauer in Griechenland bleiben. Hier
versuchen sie, möglichst ohne Geld über die Runden zu
kommen. Die Uni-Mensa bietet kostenfreies Essen an, in Mülltonnen
von Bäckereien und Obst- und Gemüseläden findet sich
Essbares, die Bibliothek ist ebenfalls kostenfrei. Man darf sich ein
solches Leben nicht wie einen einzigen Urlaub vorstellen, denn alles
will besorgt und erledigt, das zu besetzende Haus ausgekundschaftet
und repariert, Möbel herbeigeschafft werden. Sonntags, wenn
Läden und Mensa geschlossen haben, gibt es auch mal kein Essen
und immer besteht die Angst, dass Nachbarn oder der Besitzer des
Hauses Probleme machen.
Da wir bei Menschen zu Gast sind, die
so anders leben als wir selbst, diskutieren wir zwangsläufig
über unseren eigenen Lebens- und Reisestil. Wir leben sparsam,
aber nicht spartanisch: Nicht selten übernachten wir im Hotel
oder Privatzimmern, essen in Imbissen und günstigen Restaurants
– alles im Rahmen unseres Budgets. Ist das Luxus? Für die
Jungs und Mädels aus dem besetzten Haus: ja. Wir selbst können
es uns nicht anders vorstellen und wollen diese Reise genießen,
dazu gehören für uns Zelt, Schlafsack und Kocher ebenso wie
eine warme Dusche ab und zu und Gyros Pita.
Das Salz in der
Reisesuppe, Budget hin oder her, sind sowieso die Begegnungen mit all
den unterschiedlichen Leuten.
Detailarten zu Griechenland findet Ihr hier .