Von
Thessaloniki nach Kesan 20.
- 27.01.2009
Was
für ein Mampf das ist und was für ein weltweiter Erfolg
trotzdem, ich meine, die sitzen überall auf der Welt und machen
so einen Schweinekram zurecht, und die Leute essen das wirklich, das
ist doch wunderbar.“ Sven
Regener, "Der kleine Bruder".
Soviel zum griechischen Essen. Und
wir, wir sitzen nicht irgendwo auf der Welt und mampfen es, sondern
in Griechenland selbst. Gyros Pita gibt es überall!
Mampfend
radeln wir also auf die Türkei zu, und eben genau so, wie es die
Überschrift besagt. An einem Tag regnet es durchgehend in
Strömen, am anderen strahlt die Sonne und präsentiert die
griechische Küste im allerbesten Lichte. Hunde begegnen uns in
seltenen Fällen welpig-süß, meistens aggressiv
kläffend und ziemlich häufig in unterschiedlichen
Verwesungszuständen am Straßenrand. Wir verfahren uns (vor allem darum, weil wir beide Zurückfahren
hassen), machen Umwege und finden keinen Zeltplatz (auf der karte
sieht das dann so aus), sodass wir uns ein Hotelzimmer nehmen
müssen, das wir ja eigentlich gar nicht wollen. An einem Tag
versucht der enthusiastische Imbisswagen-Betreiber ohne
Englischkenntnisse ein Gespräch mit uns aufzunehmen und ruft
„Otto Number One“, um seiner Begeisterung für, na wen
schon, Otto Rehagel Ausdruck zu verleihen, zwei Tage später
verabschiedet sich ein Tankwart, den wir nach dem Weg gefragt haben,
mit „Heil Hitler“ von uns.
In dieser Woche haben wir
außerdem zwei Verluste zu beklagen: Ich lasse meinen Helm nach
einer verregneten Frühstückspause auf meinem Gepäckträger
liegen und bemerke es erst vier Kilometer später, als er dort
natürlich längst herunter gefallen ist – wir radeln die
Strecke zurück, aber der Helm taucht nicht mehr auf. Unser
Laptop verliert sein k, wo ist es nur geblieben? Würde jetzt
Schlemihl aus der Sesamstraße auftauchen, wie gerne würden
wir ihm eines abkaufen. Mal sehen, ob Asus in Istanbul uns helfen
kann.
Als sehr angenehm empfinden wir, dass sich die
griechischen Bauern gerade unsere Anwesenheitszeit ausgesucht haben,
um mit ihren Traktoren die wichtigsten Straßen Griechenlands zu
blockieren – uns lassen sie netterweise durch und wir können
auf einer Art Bundesstraße völlig autoverkehrsfrei unsere
Bahnen ziehen.
Auch an der Grenze zur Türkei stehen sie
noch, die Bauern. Wir freuen uns auf ein neues Land, so ein
Grenzübertritt ist ja doch immer wieder spannend. Soldaten mit
Maschinenpistolen bewachen den Grenzfluss, Fotografieren ist
natürlich verboten. Vom türkischen Grenzer werden wir mit
Handschlag begrüßt, ein junger Soldat ruft uns „Welcome
in Turkey!“ zu – so nett sind wir noch nie begrüßt
worden, wenn man mal die leicht martialischen Rahmenbedingungen außer
acht lässt. Die Trucker im drei Kilometer langen Lkw-Stau vor
der Grenze winen uns freundlich zu. Bei so viel Engagement
möchten wir uns in die türkische Kultur integrieren, was
fällt uns da spontan ein? „Komm, wir machen Autokürsü!“
rufe ich Tobi zu. Klingelnd und „Türkiye“ skandierend fahren
wir weiter, und direkt der erste uns überholende Wagen stimmt
hupend ein.
Na, das fängt ja gut an! Wir freuen uns auf
die nächsten Wochen!