Trabzon bis Batumi 05. - 12.03.2009
Ach, eigentlich ist ja gar nicht so viel passiert, was schreibe ich nur? Zunächst einmal sind Tobi und ich, noch in Trabzon, beide zwischenzeitlich etwas angeschlagen, was bei Tobi dazu führt, dass er einige Zeit im Bett verbringt und unseren netten Gastgeber ansteckt. Nachdem er es geschafft hat, seine Viren auch an mich zu übertragen, müssen wir unsere Abfahrt schließlich um einen Tag verschieben.
Sümela
Wir besuchen natürlich trotzdem das in den Berg gebaute Kloster Sümela - allerdings mit dem Bus, 50 Kilometer in eine Richtung und 1000 Höhenmeter waren uns für eine Fahrrad-Tagestour dann doch zuviel. Getreu meiner Vorhersage „Wenn wir in Trabzon Touristen treffen, dann in diesem Bus!“ sitzt dann auch tatsächlich Daniel, Erasmus-Student in Istanbul darin, der nebenbei beneidenswertes Türkisch spricht (sich allerdings schon seit geraumer Zeit intensivst mit der Sprache beschäftigt). Sümela ist beeindruckend, vor allen Dingen die Vorstellung, wie jemand auf die Idee kommt, so etwas zu bauen zu jener Zeit (im 4. Jahrhundert!), leider können nicht alle Teile besichtigt werden.
Sümela, und unsere Gastgeber in Trabzon
Fußball im Trabzonspor-Stadion ist natürlich auch toll, dazu gibt es ja einen eigenen Artikel . Ansonsten verbringen wir noch nette Abende mit den türkischen und französischen Jungs (letztere brechen dann in Richtung Iran auf) und entwickeln bzw. kurieren unsere Krankheiten.
Als wir aufbrechen, fühlen wir uns beide nicht wirklich fit, aber da die Strecke extrem flach ist, kommen wir an unseren letzten zweieinhalb Tagen in der Türkei überraschend gut voran. Ein klassisches Bild vom Straßenrand: wir wollen eine kurze Cola-und-Schokolade-Pause am Nachmittag machen, in der Nähe eines Dorfes. Wir kommen gar nicht erst dazu, die Flasche anzusetzen, da kommt auch schon ein Mann zu uns, beginnt eine kleine Unterhaltung und lädt uns zum Tee ein. Ok, ein Tee geht immer, und bald sitzt dann auch ein älterer Herr dabei, der 10 Jahre in Deutschland gearbeitet hat, in Hamburg bei Siemens. Nach zwei Tee schaffen wir es schließlich, fortzukommen, nicht ohne dass unser Gastgeber uns ein Brot zugesteckt hat (er ist nämlich der Bäcker im Ort), nachdem wir ein Essen abgelehnt haben.
Wieder unterwegs.
Wegen solcher Erlebnisse bin ich schon ein bisschen melancholisch, die Türkei zu verlassen. Beim Grenzübergang selbst komme ich jedoch gar nicht dazu, denn diese Grenze ist anders als die bisher erlebten, extrem viele Menschen mit sehr spitzen Ellenbogen drängeln sich am Fußgängerübergang, wo wir auch hin gehören. Ein junger Mann „hilft“ uns so lange, bis ich ihm sage, dass ich nichts bezahlen werde und er sich verzieht - so konnte/musste ich schon auf dem Territorium der Türkei meine Russischkenntnisse einsetzen. Letztlich läuft mit ein bisschen Zeit alles glatt, nachdem die Grenzpolizistin gemerkt hat, dass mein Pass zwar eine seltsame Nummer (mit vielen Buchstaben drin) hat, aber nicht gefälscht ist und unsere Iris (Iren? Irisse?) gescannt wurden, zum ersten Mal.
Noch in der Türkei, Lkw-Stau kündigt Grenze an, in Georgien.
So sind wir also in Georgien, neue Sprache (georgisch, für uns allerdings nur: russisch), neue Schrift (die sehr kompliziert aussieht), neue Religion (christlich orthodox statt muslimisch)… Eine der „klarsten“ Grenzen, seit wir unterwegs sind. Wir machen erst einmal Halt in Batumi, der Sommermetropole am Schwarzen Meer (zurzeit regnet es allerdings, mal wieder). Von hier aus wollen wir uns über eine kleine Straße und einen 2000-Meter-hohen Pass in Richtung Tiflis aufmachen.
* denn das Kaspische Meer ist ja tatsächlich nur ein großer Binnensee