Bilder und Geschichten

Am 13. Juni 2010
sind wir nach 577 Tagen,
21.297 Kilometern und
36 besuchten Ländern
nach Deutschland zurückgekehrt.

Regelmäßig erzählen wir von unserer großen Reise. Termine findet Ihr hier.
 
Nach 577 Tagen, 21.297 km und 36 besuchten Ländern sind wir seit 13.06. wieder zurück in der Heimat. Weitere Infos folgen bald!
 

Kilometerzähler

Gesamtbilanz

  21.297  Kilometer
133.164  Höhenmeter

Letzte Position
N 50°29.507'  E 007°53.618' 
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Geschrieben von Daniela   
Tbilisi bis Sheki
24. - 27.03.2009

Als Radfahrer einem Auto hinterherzufahren ist unangenehm, zumindest wenn man nicht bei der Tour de France mitmacht. Georgien ist das Land, in dem wir gleich mehrmals in diesen zweifelhaften „Genuss“ kamen, sodass wir allen Radlern nur raten können: Fragt keinen Georgier nach dem Weg, er könnten ihn Euch zeigen wollen.

Unser „erstes Mal“ haben wir noch vor Tbilisi, in Kutaisi, der zweitgrößten Stadt des Landes, als wir nach der richtigen Ausfahrt suchen. Bergauf und bergab auf Kopfsteinpflaster heizen wir einem Wagen über ein paar Kilometer hinterher. Als wir in Tbilisi die Polizei nach Frederiks Adresse fragen, ist es zum zweiten Mal so weit, und jetzt sind es gleich zehn Kilometer. Davor wurde uns angeboten, im bereits mit zwei Menschen besetzen Mittelklassewagen inklusive unserer R
äder mitzufahren. Erst als im Kofferraum vier Ersatzreifen offensichtlich überraschend auftauchen, sieht der Freund und Helfer, dass das tatsächlich nicht funktionieren kann - und fährt uns voraus.

Das soll das letzte Mal gewesen sein, schwören wir uns, und k
önnen es doch nicht einhalten. Unsere Abfahrt aus Tbilisi lässt sich gut an - nach etwa 70 Kilometern sind wir schon fast auf Zeltplatzsuche, als ein heftiger Rückenwind einsetzt und uns bis zu Kilometer 90 schiebt. Gerade beginnt es leicht zu regnen und wir ziehen am Straßenrand unsere Jacken über, als ein älterer Herr sein Auto neben uns anhält. Die Fragen sind klassisch: Wo kommt Ihr her? Wo wollt Ihr hin? Wo schlaft Ihr, im Hotel? Nein, wir haben ein Zelt mit uns. Das Wort „Zelt“ weckt in dem Mann wohl einen Beschützerinstinkt. „Nein, Ihr müsst doch nicht zelten“, sagt er, „kommt mit zu mir, dort gibt es ein Zimmer, es gibt Essen, es gibt Wein.“ 


Lada im Abendlicht, unsere Unterkunft,  Zusammensein am Abend

So ein verlockendes Angebot können wir natürlich schlecht ausschlagen. So fahren wir also hinter ihm her, biegen nach etwa fünf Kilometern auf einen matschigen Feldweg ein und enden auf seinem Bauernhof. 

Dort können wir in einem sehr einfachen Zimmer übernachten - Elektrizität und fließendes Wasser gibt es hier nicht, ein kleiner Ofen wärmt den Raum extra für uns. Nach vier ziemlich luxuriösen Tagen in Tbilisi, wo praktisch jeder, den wir kennen lernen, tagtäglich mit einem schicken SUV zu einem guten Job fährt, sitzen wir nur einen Tag später abends mit den Arbeitern in einer von einer Petroleumlampe erleuchteten Hütte und trinken Wein (so viel Kontinuität muss sein). Ein Toast nach dem anderen (das kennen wir auch schon) wird von dem einzigen Familienmitglied gesprochen, das gut russisch spricht. Die Mitglieder unserer Gastfamilie sind in Georgien lebende Aserbaidschaner, von denen es 300.000 im Land gibt. Wir haben einen netten Abend und verabschieden uns am nächsten Morgen nach dem obligatorischen Foto.


Unsere Gastfamilie, Sighnaghi

Am nächsten Tag verbringen wir vergleichsweise wenig Zeit mit Radfahren, um uns Sighnaghi anzuschauen, eine auf einem Hügel gelegene, im 18. Jahrhundert errichtete und sehr schön restaurierte Stadt. Wir stellen unsere Räder bei der Polizei ab, und zum Abschied sagt der Polizist (nebenberuflich offensichtlich Touristenguide): „Ach ja, ich habe den Kollegen der Nachbarstadt bescheid gegeben, dass sie Euch den Weg zeigen. Sie warten dann auf Euch!“

Na, dann ist ja alles gut, wir dachten schon, wir müssten uns alleine zurechtfinden! Diesmal halten es unsere Führer sogar 20 Kilometer aus, vor einem 15-20 km/h Fahrrad herzutuckern. Wir sind inzwischen schon echte Profis und lassen uns nicht stressen, nur sind wir froh, als sie verschwinden, damit wir uns alleine einen Zeltplatz suchen können.


Immernoch Sighnaghi

Doch da haben wir die Rechnung ohne den Wirt respektive ohne den Georgier gemacht. „Was, Ihr wollt im Zelt schlafen? Kommt doch mit zu mir!“ sagt der Ladenbesitzer, bei dem wir noch einige Sachen einkaufen. Na gut! Fahren wir ihm also zu seinem Haus hinterher, lernen seine nette Familie kennen und sitzen essend, Wein trinkend und quasi minütlich toastend an seinem Küchentisch. Wir trinken auf den Frieden, die Gesundheit, die Familien, die Verstorbenen, alle guten Menschen gleich welcher Nationalität, kurz, auf die zentralen Dinge des Lebens. Djemal, unser Gastgeber, hat in diesem Jahr 3000 Liter Wein eingelagert, von denen er bereits 1000 in seinem Laden verkauft hat, aber den Rest, gibt er uns zu verstehen, könnten wir gerne trinken, wenn wir wollten.


Aufgetischt!, unsere Gastfamlie II, Abschied

Ganz so arg treiben wir es dann doch nicht, am nächsten Tag wollen wir ja nach Aserbaidschan und sind unsicher, wie zeitaufwendig die Kontrollen sein werden. Der Grenzübergang ist dann letztlich so verschlafen, dass er offensichtlich auch alle dort arbeitenden Menschen in Trance versetzt hat und niemand auf die Idee kommt, übertriebenes Engagement zu zeigen.

So verlassen wir Georgien, und ich muss wohl nicht besonders betonen, dass wir uns hier sehr wohl gefühlt haben. Wir können dieses kleine, abwechslungsreiche Land und seine Menschen nur jedem ans Herz legen, so lange die politische Situation dort einigermaßen stabil ist.


Viel Gllück (?!) in Aserbaidschan, Ladatuning, Referendumsplakat

Stabilität: ein gutes Stichwort für Aserbaidschan - hier gab es kurz vor unserer Einreise ein erfolgreiches Referendum, nach dem der Präsident nun nicht bloß zweimal, sondern beliebig oft wiedergewählt werden kann. Wir besuchen Zaqatala, die Haselnusshauptstadt, lernen einen aserbaidschanischen Zahnarzt, eine deutsche Austauschstudentin und einen kanadischen IT-Fachmann kennen, um dann weiter nach Sheki zu fahren - über 100 Kilometer bringen wir dafür an einem Tag hinter uns und das haben wir seit Deutschland (!) nicht mehr gemacht. Unglücklicherweise geht es die letzten 15 Kilometer noch einmal richtig schön bergauf und die von uns erhoffte Abkürzung scheitert an der fehlenden Brücke über den Fluss.


Tor zum letzten Anstieg, noch einmal beissen, Karawanserei

Mal sehen, was die nächsten Tage in Aserbaidschan noch bringen. Bisher: sehr viele Ladas, sehr viele aus Ladas heraus winkende Männer, sehr viele Einladungen zum Tee. Nur eins fehlt uns zum Glück: Berti Vogts haben wir noch nicht getroffen, aber das kann ja noch kommen (Berti, wenn Du das liest: bitte melde Dich!).

 
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