Bilder und Geschichten

Am 13. Juni 2010
sind wir nach 577 Tagen,
21.297 Kilometern und
36 besuchten Ländern
nach Deutschland zurückgekehrt.

Regelmäßig erzählen wir von unserer großen Reise. Termine findet Ihr hier.
 
Nach 577 Tagen, 21.297 km und 36 besuchten Ländern sind wir seit 13.06. wieder zurück in der Heimat. Weitere Infos folgen bald!
 

Kilometerzähler

Gesamtbilanz

  21.297  Kilometer
133.164  Höhenmeter

Letzte Position
N 50°29.507'  E 007°53.618' 
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Geschrieben von Daniela   
Chalus bis Teheran
13. - 15.04.2009

Ich bin nervös. Dieses Mal nicht, weil ein neues Land bevorsteht, sondern, weil die nächsten Tage ein ganz anderes Radfahren versprechen als die letzten Wochen.


Kleiner Astronaut mit komischer Tante, der Weg nach oben

Es ist so (und ich weiß nicht, ob vielleicht einige andere Radler es nachvollziehen können), einerseits mag ich die Berge. Es ist abwechslungsreicher, dort zu fahren als im Flachland, die Umgebung ist toll und der Gegenwind kann gar nicht so sehr nerven. Dann aber bin ich jedes Mal vor einem wichtigen Aufstieg besorgt, ob ich es auch schaffen werde. Das klingt albern und ist es wahrscheinlich auch und ich werde dafür jedes einzelne Mal von Tobi verspottet, aber immerhin habe ich mindestens zwanzig Jahre meines Lebens damit zugebracht, mich als unsportlich zu bezeichnen und besitze somit in diesem Bereich nur ein kleines Selbstbewusstsein.


Da kommen wir her, Pause, Tunnel im Licht 

Statt zu jammern stelle ich mich nun mit offenem Visier dem Feind: auf etwa 100 Kilometern wollen wir von unter 0 Metern (das Kaspische Meer liegt unterhalb des Meeresspiegels) auf 2800 Meter fahren, diese Höhe haben wir zumindest in einem Buch gelesen.


Höhlenansicht, Felswände

Optimistisch machen wir uns an die Arbeit - im Regen. Die Region ums Kaspische Meer ist sehr regenreich, eben wegen der hohen Berge, die sich (fast) direkt am Ufer auftürmen. Leider liegt so alles im Dunst verborgen und wir werden für unsere Bemühungen zunächst nicht mit famosen Ausblicken belohnt. Erst gegen Mittag sind wir von Poula, unserem Gastgeber, gestartet und beschließen so nach gut 40 Kilometern und knapp 1000 Höhenmetern, dass es nun gut sein soll. In einer Gaststätte wollen wir nach einem Tee fragen, ob wir dort übernachten können, da sich ansonsten kein Zeltplatz anbietet (im Gedenken an unsere französischen Radlerfreunde nennen wir das die „Franzosen-Taktik“). Nach einigen Komplikationen wegen der fehlenden gemeinsamen Sprache wird uns angeboten, im angrenzenden Gebetsraum zu schlafen. Durch Zufall stellt sich heraus, dass der Koch in Weißrussland gearbeitet hat und russisch spricht - und schon ist die Kommunikation einfacher. Schließlich werden wir überredet, doch mit zu ihm und seiner Familie zu kommen und dort zu schlafen.


Schön!

Einerseits freuen wir uns über das nette Angebot, andererseits wollen wir eigentlich nur eins: schlafen, und ahnen bereits, dass das dort nicht so bald möglich sein wird. Und tatsächlich, nachdem unser Gastgeber noch einmal auf seine Arbeit zurückkehrt und wir uns bereits schlafen gelegt haben, kommt er endgültig nach Hause und holt uns aus dem Bett, um sich mit uns zu unterhalten. Manchmal ist eben die Gastfreundschaft ein zweischneidiges Schwert. Wir werden königlich behandelt, nicht gerade reiche Menschen teilen mit uns ihr Haus und ihr Essen. Gleichzeitig wird unsere Privatsphäre minimiert und neben all dem, was wir über andere erfahren, teilen wir ebenso Informationen über unser Leben - ob wir wollen oder nicht. Bei einer Familie werden wir nach unserem Körpergewicht gefragt (und als ich errötend sage, ich wisse es nicht, wird mutig geschätzt). Wenn ich seit Jahren vergeblich versuchen würde schwanger zu werden, hätte ich mich vielleicht an so manchem Abend in den Schlaf geweint, so häufig werden wir darauf angesprochen, ob wir denn keine Kinder haben. Seit wir bei der Frage nach dem Hochzeitsdatum „vor einem halben Jahr“ antworten, fällt wenigstens die Frage nach dem Warum weg. Letztendlich ist es ein Geben und Nehmen, so sehe ich es zumindest, wir werden reich beschenkt und geben dafür ein Stück von uns preis. Wenn wir Ruhe und Frieden wollen (und das kommt vor), ist das Zelt oder Hotelzimmer der bessere Ort.


Jawohl - es geht bergauf, mal wieder zelten im Schnee, der Tunnel

Am nächsten Morgen starten wir unseren zweiten Tag auf dem Weg zum Pass. Ich bin schlecht gelaunt, denn es geht wesentlich langsamer voran als gestern, da das Gelände steiler geworden ist. Bin ich denn gar nicht fitter geworden nach fünf Monaten auf dem Rad? Nachdem ich ein paar Kilometer lang Tobi die Ohren voll geheult habe, beruhige ich mich wieder: wir sind nicht in Eile und es geht ebenso schnell, wie es geht. Ein bisschen verwirrend ist es, dass wir extrem unterschiedliche Angaben über die Entfernung zum höchstens Punkt erhalten. Zumindest gibt es, soviel ist wohl klar, einen Tunnel und dadurch hoffen wir einige Höhenmeter zu sparen. Das Wetter ist fabelhaft, über der Winterlandschaft strahlt die Sonne.


Alles klar?!, begehrtes Fotomodell bei der Arbeit

Als wir um die 1500 Höhenmeter gefahren und recht fertig sind, der Tunnel aber noch nicht in Sicht, setzen wir uns in ein Restaurant und trinken Tee. Hier möchten wir gerne unser Zelt aufschlagen, doch wir haben keinen Erfolg mit unserer Bitte. Erst versteht man uns nicht, dann, nachdem englischsprachige Gäste eingetroffen sind, hält man die Angelegenheit für zu gefährlich, schließlich ist es draußen, nun, da die Sonne weg ist, knackig kalt und niemand will dafür verantwortlich sein, wenn den Ausländern etwas passiert. Zum Tunnel seien es doch nur noch zwei, drei Kilometer.


Auf der anderen Seite, Hirte

Wir können diesen Angaben nicht recht glauben, zu Unterschiedliches haben wir bereits gehört. Also packen wir in der Dämmerung unsere Sachen und halten am nächsten Platz an, der sich zum Zelten anbietet. Pah, so ein Meter Schnee hält uns doch nicht vom Zelten ab! Und wirklich, zwar ist das Wasser in den Flaschen im Innenzelt am nächsten Morgen gefroren, doch uns war kein bisschen kalt.

Dann, und wirklich bereits nach einem guten Kilometer: der Tunnel auf gut 2600 Metern Höhe. Unser neuer Höhenrekord! Jetzt geht es mal wieder bergab, leider bei Gegenwind und darum langsamer als erwartet. So brauchen wir zwei Tage nach Teheran. Die Landschaft hat sich inzwischen radikal verändert, aus saftig grünen Wiesen ist karges Land geworden.


Ausblicke, unser Zeltplatz, Müll - Schattenseite im Iran

Als wir uns dem Ballungsgebiet nähern, sind wir wirklich froh, bereits nach Istanbul mit dem Rad hinein gefahren zu sein. Fast nichts, das für die Autofahrer hier selbstverständlich ist, schockt uns mehr. Auf der vierspurigen Straße eine Ausfahrt verpasst? Kein Problem, ein Kilometer rückwärts auf dem Standstreifen ist immer drin. Merke ebenso: es gibt immer so viele Fahrspuren, wie Fahrzeuge nebeneinander passen, sich an Markierungen zu halten ist spießig  - und Platzverschwendung. Die Außenspiegel werden selten benutzt, ebenso die Blinker. Was bei den wenigen Fahrzeugen in den Bergen in erster Linie amüsant ist, wird in der 15-Millionen-Stadt zur Belastungsprobe. Augen zu und durch, insbesondere in den mehrspurigen Kreiseln, wo ich mich oft genug frage, wie ich da bitte wieder heraus kommen soll. Bergauf fahren wir außerdem, denn die kanadisch-iranische Familie, bei der wir zu Gast sind, lebt im Norden von Teheran, und der liegt wiederum am Hang drei-  bis viertausend Meter hoher Berge.


Ich bin kein Star - hol mich hier raus, schon professioneller, Straßenszenen

Aber das ist jetzt wirklich eine andere Geschichte, und die erzählen wir Euch beim nächsten Mal.
 
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