Bilder und Geschichten

Am 13. Juni 2010
sind wir nach 577 Tagen,
21.297 Kilometern und
36 besuchten Ländern
nach Deutschland zurückgekehrt.

Regelmäßig erzählen wir von unserer großen Reise. Termine findet Ihr hier.
 
Nach 577 Tagen, 21.297 km und 36 besuchten Ländern sind wir seit 13.06. wieder zurück in der Heimat. Weitere Infos folgen bald!
 
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Der große Visa-Marathon von Teheran PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Tobi   
Teheran
16. - 29.04.2009

Radfahren ist ja schon manchmal anstrengend, wie Ihr wisst und wie wir ja bereits manches Mal beschrieben haben. Manchmal aber ist Nicht-Radfahren noch anstrengender, zum Beispiel hier in Teheran.

Zunächst: Wir landen daunenweich im Schoße der kanadisch-iranischen Familie Fallah und können uns direkt ein wenig erholen, denn die nächsten zwei Tage fallen auf das iranische „Wochenende“. Im Prinzip gibt es hier so etwas nicht wirklich, sondern nur den freien Freitag, aber, wie wir erst nach unserer Ankunft erfahren haben, die internationalen Einrichtungen wie die Botschaften haben meist auch am Samstag geschlossen.

Also beginnen wir unsere Visa-Erledigungen frohen Mutes am Sonntag, und (natürlich) stellen sie sich als etwas komplizierter heraus, als wir dachten. Zu den Details gibt es hier eine Übersicht, denn für den Nicht-Asien-Radler gibt es wahrscheinlich spannenderes zu lesen.

Interessant jedenfalls: nachdem wir noch im iranischen Konsulat in Trabzon im gemütlichen Wartezimmer mit Tee bewirtet wurden, werden wir in keinem der drei zentralasiatischen Konsulate (der Länder Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan) in Teheran überhaupt in ein Gebäude vorgelassen. Ausnahmslos kommunizieren wir durch ein Fenster bzw. eine Luke, 50x50 bis 50x100 groß und so angebracht, das man beim Hereinschauen/-reden automatisch eine halbe Verbeugung macht… wenn das mal keine Absicht ist!

Unser erster Stopp ist die Botschaft von Tadschikistan. Der Sachbearbeiter dort erklärt uns muffig, dass wir für ein Visum ein Empfehlungsschreiben unserer Botschaft benötigen. Wir sind etwas verwirrt. In stundenlangen Recherchen hatten wir in diversen Foren im Internet rausgefunden, dass man dies seit kurzem nicht mehr benötigt. Zudem kann er uns auch kein 45 Tages-Visum ausstellen, 30 Tage ist das Maximum. Prinzipiell vergibt Tadschikistan zwar bis zu 60-Tage-Visa - aber nicht hier in Teheran. Das GDAO-Permit für die Pamir-Region können wir auch erst in Tadschikistan beantragen. Aha, auch anders gedacht. „Den Visumsantrag muss man übrigens mit der Schreibmaschine ausfüllen. Wenn Sie keine haben, hier“ - er reicht uns eine Visitenkarte - „kann man sich auch online ein Formular runterladen. Es wird etwa zehn bis fünfzehn Tage dauern, bis das Visum ausgestellt ist.“

Das fängt ja gut an. Ohne etwas erreicht zu haben, geht es weiter zur usbekischen Botschaft. Zum Glück. Denn die steifen Sachbearbeiter hier erzählen uns das gleiche - wir brauchen ein Empfehlungsschreiben. Auch hier muss getippt werden, das kann zur Not aber auch eine Mitarbeiterin der Botschaft für uns machen.

Da die deutsche Botschaft im Zentrum Teherans liegt, die zentralasiatischen aber im Norden, geht es nun also statt zur turkmenischen eine Stunde (mit dem Auto) durch den dichten Verkehrs Teherans nach Süden. Wir stellen uns beide vor, wie es wäre, hier einmal selbst Auto zu fahren. Daniela meint, sie würde schon daran scheitern, mit dem Auto überhaupt auf die Straße zu kommen. Hier gibt es nämlich keine Möglichkeit, eine Lücke abzuwarten - und reingelassen wird man normalerweise auch nicht. Da muss man schon nach dem Motto „die anderen werden schon bremsen“ einfach losfahren. Das Verkehrssystem der Stadt ist für die Anzahl der Individualautos und Taxis nicht geschaffen, große Teile einer Fahrt steht man im Stau oder bewegt sich nur kriechend. Es gibt nur zwei kurze U-Bahnlinien (das Netz soll ausgebaut werden, Inschallah) und die wenigen Busse kommen ebenso langsam voran wie der Rest. Da Taxi fahren sehr günstig ist, ist es DER öffentliche Verehr in der 15-Millionenstadt. Wie die Luftqualität hier ist, kann man sich ausmalen. Eine Minute atmen entspricht hier dem Rauchen von neun Zigaretten. Haben wir jedenfalls gelesen…

Aber zurück zu den Visa: An der deutschen Botschaft angekommen, erwartet uns eine lange Schlange. Wir stellen uns auf eine lange Wartezeit ein, fragen zur Sicherheit am Eingang (hier wird man sogar ins Gebäude gebeten!) aber mal nach, ob wir hier richtig sind. Ja klar, wir können auch direkt eintreten. Schon seltsam, weil wir Deutsche sind, müssen wir uns nicht anstellen. Drinnen erklärt man uns, dass jedes Empfehlungsschrieben 20 € kostet, zu bezahlen in iranischen Rial. Soviel Rial haben wir aber nicht dabei. Also wieder raus, zur Bank Geld umtauschen (an drei Schalten zwei Formulare ausfüllen und dann warten), zurück zur Botschaft (an der Schlange vorbei) und das Empfehlungsschreiben beantragen. Können wir nachmittags abholen.

In der Zwischenzeit suchen wir ein Internetcafe und wollen dort das tadschikische Formular ausfüllen und runterladen. Leider ist die angegebene Seite nur auf Farsi und Russisch, sodass wir erst nach der Zuhilfenahme eines Iraners und langer Suche das gesuchte Formular finden. Beziehungsweise denken wir, dass wir es gefunden haben. Denn um es sich wirklich ansehen zu können, muss man sich einloggen. Unsere Versuche, einen Benutzeraccount zu beantragen schlagen fehl, da wir entweder angeblich den Sicherheitscode falsch eingeben oder die Email mit den Zugangsdaten nie bei uns ankommt. Also suchen wir über Google ein ähnliches Formular wie dies, das wir vom Konsulat erhalten haben und finden schließlich ein fast identisches eines amerikanischen Reiseveranstalters. Ausfüllen, ausdrucken, zurück zur deutschen Botschaft, an der Schlange vorbei, Empfehlungsschreiben abholen und ab wieder in den Norden. Ach ja, auf dem einseitigen, 20 € - teuren Schreiben steht vorformuliert, dass wir a) Deutsche sind und die Botschaft Usbekistans/Tadschikistans uns b) bei der Beantragung des Visums helfen soll. a) kann man eigentlich an unserem Pass sehen, b) haben wir ja auch schon persönlich vorgetragen. Aber wenn damit die Bürokraten zufriedengestellt sind - meinetwegen.

Da die zentralasiatischen Botschaften nur vormittags auf haben, müssen wir uns bis zum nächsten Tag gedulden. Bei den Usbeken scheint alles zu klappen, auch die Tadschiken sind diesmal freundlich und versprechen uns, noch mal beim Konsul nachzufragen, ob wir nicht doch 45 Tage bekommen können.

An der turkmenischen Botschaft erzählt man uns, dass der Konsul nicht da sei. Wir sollen in zwei Stunden noch mal kommen. Nach den zwei Stunden ist der Konsul nicht, aber eine andere Mitarbeiterin da. Diese meint, ohne Kopie des Usbekistan-Visum geht nichts.

In der Wartezeit auf unsere beiden Visas fahren wir für fünf Tage nach Esfahan und Yard (siehe Bericht hier). Direkt nach unserer Rückkehr geht es weiter.

Bei den Usbeken läuft alles wieder schön formal steif, dafür haben wir gegen je 105 $ (plus 30.000 IRR „Tippkosten“) unser Visum. Die Tadschiken sagen, der Pass muss über Nacht da bleiben und am nächsten Tag können wir das Visum abholen. Gegen je 50 $ können wir morgens auch das tadschikische unser eigen nennen - natürlich nur für 30 Tage.

An der turkmenischen Botschaft ist endlich der Konsul da. Unsere Freude verfliegt nach einer halben Minute, den er müsste mal ein Benimmtraining hinter sich bringen, finden wir. Zwar zeigt er zunächst Freude, als Daniela russisch spricht, ist dann aber enttäuscht von ihrem Niveau und nicht bereit, sich auf dieses herabzulassen. Der Mann hinter uns übersetzt in Englisch, und Standardsätze lauten dann: „Das ist Ihr Problem, nicht mein Problem“ oder „Schreiben Sie schneller“. Da kommt Freude auf! Zudem ist er jetzt für eine Woche im Urlaub, wir sollten doch das Visum in Mashad abholen - und mehr als fünf Tage gibt es nicht für den Transit (das wir mit den Rädern unterwegs sind, ist, wie schon oben erwähnt, unser Problem…).

Wir sind genervt, gleichzeitig wirkt es albern, sich zu beschweren. Überall in Teheran stehen lange Schlangen von Iranern, die ihr eigenes Land für eine Reise oder auch dauerhaft verlassen möchten. Ich wüsste gerne, wie sie dort behandelt werden, sicherlich auch nicht immer mit Samthandschuhen. Wir hingegen wollen nur Touristenvisa, von denen wir praktisch sicher sein können, dass wir sie erhalten, alles andere würde uns zumindest sehr überraschen. Als Westeuropäer sind wir so frei zu reisen, wie es Iranerinnen und Iraner (und Menschen aus vielen anderen Nationen, natürlich) in den allerwenigsten Fällen sind, und das, ohne dass wir irgendeine Leistung erbracht hätten.

Nun wollen wir noch das letzte Problem angehen: die Verlängerung unseres Iranvisum. Wir haben gehört, dass sie in Teheran nicht ganz einfach zu erhalten sein soll, das Prozedere etwa eine Woche dauert und wir den Antrag maximal zwei bis drei Tage vor Ablauf des alten Visums stellen können. Unseres ist zwar noch über eine Woche gültig, aber man kann ja mal probieren. Wieder in den Süden, die zuständige Behörde suchen (die alte Adresse stimmt nämlich nicht mehr, aber zum Glück sind die Iraner so freundlich und helfen uns beim Suchen), nach kurzem Gespräch zur Bank und diesmal je 200.000 IRR einzahlen und zurück. Wir müssen ein Formular ausfüllen, an diverse Schalter und dann warten. Da wir Deutsche sind, mit dem Rad den Iran durchqueren und schnell weiterwollen, verspricht man uns, das Visum noch heute zu verlängern. Nach zwei Stunden haben wir die Verlängerung für volle 30 Tage (ab dem Ablauf des letzten - also noch für fast sechs Wochen!). Wow, das ist wieder anders, als gelesen. Man kann durch diese Visa-Bürokratie also auch positiv überrascht werden - und wieder waren die „bösen“ Iraner für diese Überraschung gut!


 
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