Als touristischen Kontrapunkt zu unseren administrativen Erledigungen haben wir uns Esfahan und Yazd im Zentrum des Iran vorgenommen, wohin wir auf für uns ungewohnte Art reisen.
Im Bus zu sitzen und sich einfach so, ohne körperliche Anstrengung in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit fortzubewegen, ist völlig seltsam. Bisher haben wir alle längeren Strecken mit dem Rad in Angriff genommen, und nun fliegt die Landschaft nur so an uns vorüber, während wir uns dösend in unseren Sitzen fläzen oder uns die Landschaft anschauen. Die karge, teilweise wüstenhafte aber durchaus gebirgige 440 km lange Strecke würde mit dem Rad sicher völlig anders wirken.
Die Jameh-Moschee
Die Imam-Moschee
Die Sheikh-Lotfallah-Moschee
Esfahan ist eine faszinierende Stadt. Obwohl wir keine klassischen Kultururlauber sind, faszinieren uns die farbenprächtigen Moscheen. Sogar eine Madrasa, eine islamische Hochschule besuchen wir und sind überrascht von der Freundlichkeit, mit der man uns empfängt. Irgendwie hatten wir ja dann doch grimmige bärtige Männer erwartet, die böse auf mein legeres Kopftuch blicken - wieder ein Vorurteil widerlegt, danke dafür, Iran.
Außerdem treffen wir in Esfahan zufällig den Berlin-China-Radler Johannes wieder, der uns schon kurz vor der usbekischen Botschaft begegnet war. Gemeinsam verbringen wir einen Nachmittag und Abend mit Sightseeing, Essen, Tee trinken und Plaudern. Nett!
Männer und Frauen, in der Imamschule
Curry, Clowns und Ayatollahs
Nicht ganz so nett ist, dass wir nach und nach den Verlust einiger Dinge feststellen. Erst ist es der Handy-Auflader - den müssen wir wohl in Teheran vergessen haben, ebenso Tobis Stirnlampe. Ich bin mir zwar sicher, dass ich beides eingepackt hatte, bin aber manchmal etwas schusselig. Aber die MP3-Player, die hatten wir noch im Bus, also verbringen wir einen Vormittag mit einem „Ausflug“ zum Busbahnhof statt uns Sehenswürdigkeiten anzusehen. Dort ist man zwar sehr freundlich zu uns, aber die Player tauchen nicht auf. Verschiedene Theorien drehen ihre Kreise durch unsere Gehirne. Haben wir die Player einfach liegenlassen? Versehentlich in den Müll geworfen? Sind sie unter den Sitz gefallen? Oder hatten wir sie doch noch im Hotel? Tobi fällt ein, dass er, als wir nach unserer Ankunft noch kurz etwas essen gegangen sind, die Tür zweimal abgeschlossen hat und sie nachher nur einmal verriegelt war. Wie das bei solchen Dingen eben ist, dachte er sich zu diesem Zeitpunkt aber bloß, er habe sich geirrt.
Schulausflug, Suchbild - finde den deutschen Radler, Fußballergebnisse im Fastfood-TV
Beim nachmittäglichen Stadtrundgang begegnen wir Mattheis und Tom, zwei netten Niederländern aus unserem Hostel, die uns ansprechen. Noch beim Smalltalk erzählt Tobi, dass wir einige Dinge vermissen, und bei ihnen fehlen - man glaubt es kaum - ganz ähnliche Sachen: auch ein Auflader, ein I-Pod und eine Memorycard. Auch sie dachten bis zu diesem Moment, sie hätten sie verloren, und sie waren fast zum gleichen Zeitpunkt wie wir nicht in ihrem Zimmer. Also? Zu viert zurück zum Hostel, mit dem Chef sprechen (in solchen Situationen bin ich einfach zu emotional), warten (darauf, dass der herbeizitierte Mitarbeiter kommt), weiter warten (auf das selbe), noch mehr warten (Chef redet mit Mitarbeiter) und schließlich: an der Rezeption stehen und neben uns zwei Polizisten, davon einer mit Maschinengewehr.
Hier soll eine Liste unserer gestohlenen Dinge erstellt werden, zumindest soll Mattheis etwas in farsi geschriebenes und damit für uns völlig unverständliches unterzeichnen. Außerdem sollten wir doch bitte fünf Tage, so ca., in Esfahan bleiben, bis alles geklärt sei, und morgen könne man ohnehin nichts machen, da sei Freitag und die Polizei arbeite nicht.
Der Imam-Platz, angeblich zweitgrößter Platz der Welt
Was also tun? Am nächsten Tag gehen wir zur Touristenpolizei und geben eine Anzeige auf, oder zumindest so etwas in der Richtung. Der Polizist versichert uns, wenn der Dieb gefunden werde und er Mitarbeiter des Hostels sei, werde dieses geschlossen - öh, das wollten wir ja auch nicht. Unsere Verluste ersetzen wir auch schnell, weil wir nicht davon ausgehen, dass sie noch einmal auftauchen. Trotz dieser Erfahrung sind wir nach wie vor überzeugt, dass der Iran ein sehr sicheres Land ist - vielleicht eben außerhalb der günstigsten Unterkunft in Esfahan.
Von Esfahan aus reisen wir dann mit dem Bus später als geplant nach Yazd, einer etwas kleineren Stadt. Das faszinierende an Yazd ist für uns, dass die Altstadt sehr einheitlich ist, mit niedrigen, lehmverputzten Häusern und engen Straßen und zudem eine entspannte Atmosphäre herrscht.
Die Si-o-Seh-Brücke, Daniela, der schönste Busfahrer der Welt
Diese wird jedoch jäh unterbrochen durch eine heftige und fiebrige Durchfallerkrankung, die Tobi und mich gleichzeitig heimsucht. Kurz vor unserer Abreise, übrigens (Achtung! Exkurs!), schenkten uns Freunde bedruckte T-Shirts. Meines saß etwas knapp, Typ „Presswurst“. Wir spekulieren darüber, zu welchem Zeitpunkt der Reise ich wohl hineinpassen werde. Dazu unser Freund Johannes: „Der erste Brechdurchfall kommt bestimmt!“ Und er hatte recht! Das Shirt passt, nach fünf Monaten Radfahren und drei Tagen wenig essen und viel ausscheiden. Nur leider befürchte ich, auch einige Muskeln eingebüßt zu haben.
Der Amir-Chakhmaq-Komplex, wir zwei, unser Hotel
Mosaik, Blicke über Yazd
Nach unserer nächtlichen Rückfahrt im Zug quälen wir uns recht erfolgreich zu den Konsulaten und erholen uns noch ein wenig, bevor es wieder auf die Straße geht, denn so richtig gut geht es v.a. Tobi noch nicht.