Hitze am Tag und Feuer am Abend.
04.07.2007 - 71,80 km
Am Vormittag sitzen wir auf der Treppe eines klimatisierten
Fahrradladens und warten auf einen Menschen, der uns versprochen hat, den
Gepäckträger zu reparieren. Das hat er schon zuvor erfolglos versucht hat,
dann aber flitzt er los, um etwas zu besorgen, was nach internationaler Zeichensprach kombiniert mit rudimentären Russischkenntnissen Werkzeug sein könnte.
Oben im Laden - ein
großer Raum mit wenigen Utensilien, u.a. gehörte auch KEIN Flickzeug dazu - sitzen drei Damen auf der Couch und quatschen. Eigentlich wollten wir ja schon
längst auf dem Weg zum Issyk-Kul sein, aber vorher wollten wir in der Hoffnung
auf Flickzeug, Hilfe beim Gepäckträger und evtl. Brennspiritus - noch „kurz“
zu einem Radladen und einem Outdoorgeschäft. Beide konnten uns keinen Wunsch erfüllen, letztere verwiesen
uns nur auf einen Basar und auf den Laden, in dem wir gerade sitzen.
Und jetzt: Alles wird gut! Der freundliche
junge Mann vom Radladen kann mithilfe eines Metallbohrers tatsächlich Tobis Gepäckträger reparieren.
Hurra!
Außerdem gibt es auf dem Markt, zum
dem wir vom Radladen geschickt werden, Flickzeug, und zwar chinesisches - es hat nämlich nicht jeder Basar alles, wie wir leicht naiv angenommen haben, sondern es gibt jeweils bestimmte Schwerpunkte. Kaum habe ich Tobi
wartend fünf Minuten allein gelassen, wird der schon dreimal angesprochen. Auch unser erstes Treffen mit der Polizei haben wir und sind leicht besorgt wegen der Hinweise im
Reiseführer. Aber es ist einfach ein freundlicher, neugieriger Mensch, der unsere
Pässe und Visa sehen will und es interessant findet, dass wir dasselbe
Geburtsjahr haben.
Dann geht es endlich los, um 15
Uhr, in der prallen Hitze. Immer schnurgerade, zunächst eben, die letzten
Kilometer dann ganz leicht bergauf. Immer wieder winkende Kirgisen. Beim
Wasserkaufen - und das tun wir oft,
denn wir mutieren zu Durchlauferhitzern - dann üblicherweise die Fragen: Woher?
Wohin? Wie viel kosten die Räder?
Nutzvieh, kirgisisch.
Luxemburg - war das nicht woanders?
Wir werden immer schmutziger durch
den Straßenstaub, der prima an unseren schweißnassen Körpern klebt.
So gegen 8 haben wir es dann nach
Tokmok geschafft. Tobi geht es leider nicht so gut, der Magen… Hier haben wir
ein Zimmer mit Fernseher (es ist ja schließlich WM!) und einige
Kleinigkeiten in der zur Bar gehörigen Kneipe gegessen.
Die Eckdaten:
Kein Gericht über 1 €.
Alleinunterhalter mit orientalischem
Einschlag.
Und irgendwann werden wir von den
lustigen Damen am Tisch gegenüber zum Tanzen aufgefordert.
Klassisches Ortseingangsensemble.
Tobi ist der absolute Hahn im Korb
(nach 2 Bier sind alle Krankheitssymptome verschwunden). Überhaupt, das Bier: warum
wir Limonade mit Bier wollen, versteht die Bedienung nicht, ist ja klar.
Stellt uns dann beides so hin, dass wir mischen können. Leider nur ist die
Limo Birnen-Limo – in Verbindung mit Bier ein exotischer und gewöhnungsbedürftiger
Geschmack. Nach einem Abend im Tokmok sind wir um eine Telefonnummer
reicher (von Tina, deren Mann ein Haus am Issyk-Kul hat) und Tobis intensivste
Verehrerin ist sicher traurig, dass er vergeben ist (da ich ihrer Freundin dann doch sagen musste, dass dieser Mann nicht mein Bruder ist).
Nur den orientalischen Hüftschwung
müssen wir noch üben.