Bilder und Geschichten

Am 13. Juni 2010
sind wir nach 577 Tagen,
21.297 Kilometern und
36 besuchten Ländern
nach Deutschland zurückgekehrt.

Regelmäßig erzählen wir von unserer großen Reise. Termine findet Ihr hier.
 
Nach 577 Tagen, 21.297 km und 36 besuchten Ländern sind wir seit 13.06. wieder zurück in der Heimat. Weitere Infos folgen bald!
 

Kilometerzähler

Gesamtbilanz

  21.297  Kilometer
133.164  Höhenmeter

Letzte Position
N 50°29.507'  E 007°53.618' 
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Geschrieben von Daniela   
Karimabad bis Gilgit
24. - 30.08.2009

Das Hunzatal, in dem die Orte Passu und Karimabad liegen, von denen im letztem wie in diesem Bericht die Rede ist, ist für mich einer der schönsten Orte, die wir auf unserer gesamten Reise besucht haben. Das Grün der Orte ist fantastisch vor den hohen, grauen Bergen, die manchmal eine weiße Kappe tragen. Tobi liest später im Reiseführer, dass nur die Bewässerungskanäle der Bewohner, die das Gletscherwasser zu ihren Orten führen, aus dem kargen Bergland einen Obst- und Gemüsegarten machen.


Ausblick auf den Rakaposhi, am Kanal entlang (und manchmal auch hindurch)

Entlang dieser Kanäle wandern wir von Karimabad zum Ultar Gletscher. Sie sind in den steilen Fels gehauen, und unwillkürlich frage ich mich, wie viele Kanalbauer bei dieser Tätigkeit wohl ihr Leben lassen mussten. Wir wandern ganz entspannt auf einem einen Meter breiten Fußweg entlang, so lange wir den Blick nicht den sehr tiefen Abhang hinunter gleiten lassen.


Manfred auf der Alm, schwarzes Schaf, gute Sicht

In Karimabad verabschieden wir uns von unserem Mitreisenden Manfred, der sich schon früher auf den Weg nach Süden macht. Albane und Benoit wollen in ein anderes Tal reisen, und wir das Rakaposhi-Basecamp in einer Zweitageswanderung besuchen.

Wir brechen recht spät in Karimabad auf, da wir nur etwa 30 Kilometer vor uns haben. Nach 20 Kilometern fällt uns schon die große Staubwolke auf, auf die wir uns zu bewegen, nichts besonderes, die Straße ist oft nicht geteert und Steinschlag kommt auch häufig vor.


Ladyfinger, am Kanal entlang zurück

Hier aber sind Bauarbeiten im vollen Gange, um den Karakorum Highway zu verbreitern - dieses Mal mit Hilfe einer Detonation. Deshalb ist die Straße gesperrt. Wie lange? Kann uns niemand sagen. Offensichtlich kann kein chinesischer Arbeiter oder Vorgesetzter dazu ausreichend Englisch. Vorher war selbstverständlich auch nichts davon bekannt. Die Pakistanis nehmen es mit mehr Gelassenheit als wir. Ein Autofahrer hat seinen Wagen vor der Detonation zurückgelassen, um Benzin zu holen, da er keines mehr hatte. Als er zurückkommt, ist der Weg zum Fahrzeug verschüttet. Eine andere Familie hat gerade die Großmutter aus dem Krankenhaus geholt, damit sie zu Hause sterben kann. Alle warten sie. Manche fahren über eine Brücke zur anderen Seite, wo auch eine Straße entlang führt. Diese soll allerdings sehr steil und extrem schlecht sein, sodass Autos für zehn Kilometer 3-4 Stunden benötigen.


Am Kanal entlang, trocknende Aprikosen

Wir warten also erst einmal. Zwei Stunden oder zwei Tage soll es dauern. Die zwei Stunden vergehen. Ein Polizist sagt, sechs Stunden, wir geben die Information an einen Mann weiter, der sagt nur, „Ach, das habe ich denen gesagt.“ Da es langsam Abend wird, beschließen wir, bis zur nächsten Übernachtungsmöglichkeit zurück zu fahren. Im Ort Murtazabad ist das einzige Hotel geschlossen, wir fragen nach einem Zeltplatz. Zwei junge Männer leiten uns zu einem Büro, das die landwirtschaftliche Entwicklung der Region fördern soll. Einer arbeitet dort und meint, wir könnten in einem ungenutzten Raum schlafen.

Im Laufe des Abends lernen wir dann eine ganze Clique von Jungs kennen, alle zwischen 20 und 25, die meisten sind noch in der Ausbildung und haben gerade Sommerferien. Ich kann in der Familie des einen zuschauen, wie Chapattis, eine Art dünnes Fladenbrot von drei jungen Frauen gebacken werden, während die 92jährige Großmutter daneben sitzt und mir die Hand küsst, wie es wohl unter Frauen üblich ist. Auch die befreundeten Männer haben wesentlich mehr Körperkontakt, als wir es gewohnt sind, nehmen sich zum Beispiel beim Gehen an der Hand. Hier gilt das nicht als Zeichen von Homosexualität, sondern einfach der Freundschaft.


Heutransport, der Diran, Mond

Am nächsten Tag ist die Straße immer noch nicht frei. „Aber morgen!“ sagt man uns. Na gut, dann schauen wir uns eben den Obst- und Gemüsegarten an. Zum zweiten Frühstück werden wir in ein anderes Haus eingeladen, die Mutter unseres Gastgebers wurde, so sagt er uns, mit zehn Jahren verheiratet, heute sei das aber nicht mehr üblich. Zumindest nicht so früh, dass Ehen von den Eltern arrangiert werden, ist aber weiterhin völlig normal, und die Jungs finden das auch nicht im geringsten seltsam. „Wenn unsere Eltern glücklich sind, sind wir auch glücklich“, sagen sie. Bis zur Hochzeit kennt man den künftigen Ehepartner nur von einem Foto, und in der ersten Woche reden die beiden Neuvermählten wohl kaum miteinander, da sie sich so fremd sind. Für uns ist das eine gruselige Vorstellung, aber diese intelligenten, gebildeten Männer sehen das anders, wobei ihnen schon bewusst ist, dass in Europa andere Regeln gelten.

Überrascht sind sie, dass unsere Religion Alkohol erlaubt (und er sogar in Gottesdiensten getrunken wird). Im Islam ist Alkoholkonsum weitestgehend verboten, wobei etwa bei Hochzeitsfeiern wohl häufig eine Ausnahme gemacht wird. Auch Tabak ist nicht erwünscht, und so rauchen die jungen Männer heimlich, außerhalb des Ortes.


Kurz vor der Straßensperrung, Staub, Hunza-Mutter

Wir sind wieder einmal bei Ismailis, die hier noch die Mehrheit unter schiitischen Familien bilden. Bildung hat hier offensichtlich, für Mädchen wie für Jungen, einen hohen Stellenwert, und die Frauen sind nicht verschleiert, tragen aber manchmal ein Tuch oder über ihren indianisch wirkenden Zöpfen eine runde Kopfbedeckung, wie sie klassisch für die Region ist. Beruflich stehen Frauen nicht wirklich alle Wege offen, „ja“, sagt einer, „Frauen können auch zum Beispiel in der Bank arbeiten, aber für die meisten ist das schwer, weil sie da mit so vielen fremden Menschen zusammentreffen.“ Menschen steht hier wohl für Männer, und das Beispiel macht wohl deutlich, welche Berufe für die meisten Frauen damit ausgeschlossen sind, nämlich ziemlich viele.


Äpfel, Schneewittchen oder Stiefmutter?, Bienchen

Pakistan ist, auch wenn es dazu keine Regeln gibt wie im Iran, ein Land, in dem volle Körperbedeckung angesagt ist. Lange Hosen und Ärmel sind für Frauen angesagt, das Kopftuch auch angeraten, aber ich ´habe mich in Kashgar ja schon entsprechend ausgerüstet. Auch Männer tragen hier nie kurze Hosen, häufig sieht man den Shalwar kameez. Er besteht aus einer sehr weiten Hose und einem ebensolchen, knielangen Oberteil, das bis zum Bauch geknöpft ist und einen Kragen hat. Wenn man damit viele Männer gleichzeitig sieht, ist es ein bisschen so, als würden alle zu einer Pyjamaparty gehen und hätten sich dazu den Schlafanzug des großen Bruders ausgeliehen. Das ganze ist bei heißen Temperaturen sehr angenehm zu tragen und sieht bei vielen Männerbeinen auch besser aus als kurze Hosen.

Wir lernen viel an diesem unvorhergesehenen Ruhetag und werden am nächsten mit einem guten Frühstück (frisch frittierte Pommes mit ebensolchem Ei) standesgemäß verabschiedet. Das Base Camp hat sich für uns nach dieser Zwangspause erledigt, weil wir mit Albane und Benoit in Gilgit verabredet sind. Nach erneutem Warten werden wir durchgelassen, treffen zwischendurch einen japanischen Radfahrer wieder und machen uns gemütlich auf den Weg nach Gilgit.


Kürbis-Farbexperiment, Kochen, unsere Gastgeber

Am Abend, gerade hat uns ein junger Mann erlaubt, auf dem Grundstück seiner Familie zu zelten, fahren uns drei weitere Radler über den Weg; mit denen wir schließlich den Abend verbringen. Erin und Sam sind US-Amerikaner und bereits seit einem Jahr in Asien unterwegs. Graham lebt mit seiner Frau, einer Englischlehrerin, zurzeit im Kaghan-Tal in Pakistan und kommt ursprünglich aus Kanada. Da die drei von Süd nach Nord unterwegs sind, können wir von ihren Informationen profitieren, und sie von unseren, da sie im Winter in Südeuropa sein wollen.


Straßensperrung Teil II, Stoßstangen-Mitfahrer

Nach Gilgit ist es am nächsten Tag nicht mehr weit. Hier möchten wir einen Ausflug nach „Fairy Meadows“ machen, von wo aus man einen guten Blick auf den Nanga Parbat haben soll, und letzte Informationen einholen, bevor wir die Entscheidung für unsere Weiterfahrt nach Islamabad treffen. Dass wir in unserer Unterkunft mal wieder viele alte Bekannte treffen, überrascht uns inzwischen nur noch wenig.
 
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