Viel ist passiert innerhalb der 24 Stunden des 12. Juli. Wir liegen im Zelt und sind kurz davor einzuschlafen, als wir ungebetenen und ungewollten Besuch in Form zweier besoffener Reiter bekommen, die uns finanziell etwas erleichtern wollen mit der Begründung: ist ja alles unser Land.
Dem ganzen folgt ein längeres Gespräch vorm Zelt, so um Mitternacht - das macht natürlich nicht gerade Spaß. Das Gespräch an sich ist ziemlich inhaltsleer, die Argumente wiederholen sich, die Typen werden zunehmend unfreundlich und wir sagen, ok, wir gehen, wenn ihr in einer Stunde wieder da seid, ist alles weg. Das wollen sie dann aber auch nicht, und wir wollen die Typen nicht vorm Zelt allein lassen und reingehen. Sie fangen schon an, unser Zelt abzubauen, und Tobi rastet so aus, wie ich es noch nie erlebt habe („Dann schlag ich dir so in die Fresse...“). Eigentlich ist er ja so ein friedlicher Mensch, der noch nicht mal Stechmücken erschlägt (und natürlich bleibt es hier bei der verbalen Ankündigung).
Schließlich kommen wir auf die Idee: Tobi räumt den Kram zusammen und ich bleibe draußen bei den Jungs. Irgendwann verschwinden sie dann wirklich, denn ihr Ziel, Kohle abzuzocken, haben sie ja nicht erreicht. Wir sind schon kurz davor, nach Tosor zurückzufahren (100 Höhenmeter runter! Das ist ja das, was ich ohne Grund nienienie tun will!), denn bleiben wollen wir da auf keinen Fall und auf dem Weg nach oben werden wir ziemlich langsam sein.
Doch als unsere Rettung taucht ein Junge aus dem Nichts auf. Er ist bei der Streiterei schon an uns vorbei geritten, und ich habe gehofft, dass er vielleicht eingreift, was er sich gegenüber den beiden älteren Männern wohl nicht getraut hat. Er hat die "Diskussion" wohl aus dem Hintergrund beobachtet und bietet uns an, in der Nähe seines Hauses zu übernachten, und nach anfänglichem Zögern stimmen wir zu und legen uns (nach ziemlicher Kraxelei mit den Rädern) auf einer Wiese flach und schlafen irgendwann ein, wenn auch viel zu kurz.
Als wir aufwachen, sitzt der Junge neben uns und reicht uns Joghurt.
Die lange Nacht hat uns geschlaucht. Es ist mühsam, die Steigungen hochzukommen, zweimal muss ich zwischendurch ein Nickerchen halten.
Immer schön ...
... nach oben.
Wir schlafen schließlich in der Nähe eines Hauses, deren Bewohner wir fragen, ob’s ok sei – einen vielleicht 18jährigen und zwei Jungs um die zehn. Der ältere trägt einen Cowboyhut mit "Ronaldo"-Glitzerschrift, sehr beeindruckend, und testet mein Fahrrad unter selbst produzierten Motorengeräuschen aus.
Cowboys.
Sie wollen uns noch überreden, doch mit zur Jurte zu kommen, denn dahin brechen sie gerade auf, aber wir bestehen darauf, dass wir zu müde sind (was auch stimmt) um „nur“ drei Kilometer den Berg hoch zu fahren. Wir versprechen dafür, am nächsten Tag zu kommen.