Sansibar bis Tanga
02. - 08.11.2009
Seit dem „All-die-doofen-Touristen“-Rundumschlag habe ich mich ein bisschen beruhigt. Auf unseren letzten Tagen auf Sansibar lernen wir dann auch einige nette Exemplare kennen. Und in Forodhani Gardens in Stone Town, wo wir an den Imbissständen unser Abendessen einnehmen, unterhalten wir uns lange mit zwei Einheimischen, die uns gar nichts verkaufen, sondern einfach nur ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen. Wir nutzen die Chance, Helge Schneider‘sches Deutsch in den Welt zu bringen: „Hast du eine Mutter, hast du immer Butter!“ Offensichtlich erschließt sich der Humor nicht jedem direkt.
Sonnenuntergang vor Sansibar, Hafenszenen
Von Stone Town führt unser Weg mit der Nachtfähre nach Pemba. Sie ist nur halb so teuer wie die schnelle Fähre tagsüber, und wir sparen eine Übernachtung. Allerdings - empfehlenswert ist das nicht wirklich. Als wir abends ankommen, ist alles voller Leute, von denen uns einige direkt belagern. Schließlich heuern wir zwei Träger an, die unser Gepäck und die Fahrräder aufs Schiff bringen. Die „MV Serengeti“ hat ihre besseren Zeiten schon in den Niederlanden, wenn wir den Beschriftungen glauben wollen, hinter sich gelassen und ist eigentlich eine Autofähre, aber ohne Autotransport. Das heißt, das komplette Fahrzeugdeck ist voll mit Fahrrädern, Mopeds, Kartons und Obst. Wir selbst nehmen in der 1. Klasse Platz. Nach und nach füllt sich das Schiff, von dem ich eigentlich schon zuvor dachte, es wäre voll besetzt, mit Menschen. Der Platz vor, hinter und neben unseren Sitzen auf dem Boden ist komplett von Frauen und Kindern eingenommen. Unsere Sitze sind nicht zurückstellbar, die unserer Vordermänner schon - ungünstig. In der zweiten Klasse ist alles noch viel voller, auch alle Gänge. Wenn diese Fähre sinkt, soviel ist klar, sind wir mausetot - wir bräuchten gar nicht mehr daran denken, das Schiff zu verlassen. Direkt hinter uns ist ein Notausgang, doch der ist verriegelt. Die Nacht wird eher nicht so gut. Als ich am Morgen auf Toilette gehe, erleichtert sich eine Frau direkt im Vorraum, während kleine Kinder barfuss herumspringen. Das beste von allem wird aber der Ausstieg: Jeder von uns mit vielleicht 30 kg Gepäck beladen, überall drängen sich Menschen, und trotz der frühen Stunde ist es schwül - da tropft der Schweiß nicht, er fließt einfach nur noch.
Hafen, Spinne, Meer
Amphibie, nochmal Sonne, fruchtig
Wir sind froh, dass wir im Fährdorf Mkoani eine nette und nicht zu teure Unterkunft finden. Von hier aus radeln wir am nächsten Tag nach Chake Chake, und dann weiter nach Wete, wo unsere Fähre nach Tanga fährt. Pemba ist geographisch älter und wesentlich hügeliger als Sansibar, zum Radfahren also abwechslungsreicher. Teilweise kommen wir uns vor wie auf der Berg- und Talbahn, wenn wir an jeder Abfahrt schon Schwung nehmen, um die nächste Steigung geschmeidiger zu erklimmen. Touristen sehen wir fast keine, wobei es auf Pemba einige extrem teure Resorts gibt (die dann offensichtlich nicht verlassen werden).
Statt „Jambo“ rufen hier alle Kinder: „Mzungu!“, das heißt Europäer. Man stelle sich also 10 Zwerge im Kindergartenalter vor, die mit ihren glockenhellen Stimmen „Mzungumzungumzungumzungu!“ schreien, dazu winken und flummiballartig auf und ab springen: unser Empfangskomitee in (fast) jedem Dorf. Großartig oder grausam?
Invasion der Flederfüchse
Wir sehen den „Pemba Flying Fox“, eine Fledermaus von bis zu 600 Gramm Gewicht und einer Spannweite von 75 Zentimetern. Es erinnert an einen Horrorfilm, als Tausende der Tiere sich nach Einbruch der Dunkelheit über dem Hafen von Wete erheben. Frühstückszeit - die Tage verbringen sie hängend in Bäumen. Beruhigend, dass unser „third small“ Tier strikter Vegetarier ist und mehr auf Obst statt Touristenblut steht (das überlässt es dann den Moskitos).
Hässlichstes Tier der Welt?, Bootstour
Jetzt geht es weiter. Die „Spice Islander“, die uns wieder aufs Festland bringt, ist nicht überladen, und nach unserem Urlaub geht es konzentriert weiter Richtung Westen - auf nach Moshi!
Überfahrt II
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