Alles wird gut!
25.07.2007 - 127,89 km
An unserem letzten Radfahr-Tag machen wir eine Erfahrung, auf die wir gut hätten verzichten können: ich stürze.
Mist.
Meine eigene Faulheit wird mir zur Falle. Denn nach dem anfänglich starken Gefälle nach dem Pass geht es weniger steil bergab - und natürlich setzt der Gegenwind ein. Das heißt: Windschatten fahren. Wie sonst fährt Tobi die meiste Zeit voran, und ich überlege gerade, ob ich ihn nicht mal wieder ablösen soll, als ich merke, dass irgendetwas meinen Lenker total verzieht und ich schließlich ziemlich unsanft unter dem Rad auf dem Boden lande. Erst mal sage ich "Aua“, dabei weiß ich noch gar nicht, ob mir irgendwas weh tut. Ich habe einfach das Gefühl, etwas sagen und meinen riesigen Schock ausdrücken zu müssen.
"Aua" erscheint mir passend, damit kann man wohl kaum falsch liegen.
Aua.
Und, was ist passiert? Ein Stein liegt auf der Straße, dem Tobi noch ausweichen kann, ich aber nicht mehr, weil ich so nah hinter ihm fahre. Ich hole mir Schürfwunden an Knien, Rücken und Armen, alles nicht allzu schlimm, aber doch recht blutig, sodass mich wundert, wie Tobi es fertig bringt, mich so professionell zu verarzten. Das tut er aber, irgendwann kann ich auch aufhören zu weinen - und wir setzen unseren Weg nach Bishkek fort.
Wir wollen auf jeden Fall noch am selben Tag dort ankommen, obwohl wir die Strecke auf mindesten 120 Kilometer schätzen. In der dicht besiedelten Ebene gibt es keine Möglichkeiten zu zelten, aber auch kaum andere Unterkünfte, da sie landschaftlich nicht gerade reizvoll ist. Die Reise um einen Tag zu verlängern erscheint uns also zu kompliziert, und Radfahren kann ich schließlich.
Wir arbeiten uns in der Hitze langsam vor, machten regelmäßige Pausen und treffen mal wieder einige nette Menschen. In einem Laden, in dem ich einkaufen will, schenkt die Verkäuferin mir kurzerhand alles. Das verwirrt mich sehr!
Angekommen vor traditionellem Ortseingangsarrangement.
Wir sind dann doch froh, als wir das Ortseingangsschild Bishkek passieren und irgendwann merken, dass wir schon auf dem Tschui-Prospekt, also "unserer" Straße, sind. Auch wild gewordene Marschrutka-Fahrer können uns nichts mehr anhaben, und wir kommen heil bei unserer Vermieterin an, die eine freie Wohnung für uns hat.
Nach all der Zeit "draußen" heißt Luxus für uns: Duschen, Zutaten für Spaghetti Bolognese einkaufen, kochen, essen, ein Bier trinken und Deutsche Welle gucken. Was kann es Schöneres geben in diesem Moment?